Tag des Zorns – folgt Ägypten den Tunesiern?

Her. RIAD, 25. Januar. Bei den größten Demonstrationen in Ägypten seit Jahrzehnten haben mehr als 10 000 Menschen gegen den seit 1981 amtierenden Staatspräsidenten Hosni Mubarak protestiert. Auf ihre Transparente hatten sie geschrieben: „Tunesien ist die Lösung!“ Die Demonstranten skandierten „Nieder mit Hosni!“ und „Mubarak, Saudi- Arabien wartet auf dich!“. Sie sangen die Nationalhymne und trugen die ägyptische Flagge.

Es kam zu Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und den massiv aufgebotenen Sicherheitskräften, die Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke einsetzten. Einige Demonstranten warfen Steine und griffen einenWasserwerfer an. Von fünf verletzten Demonstranten war die Rede. Der größte Protestzug zog zum Sitz der Staatspartei NDP. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein. Demonstrationen fanden in mehreren Vierteln Kairos und in sechs weiteren Städten Ägyptens statt.

Zu dem „Tag des Zorns“, der mit dem staatlichen „Tag der Polizei“ zusammenfiel, hatte eine Facebook-Gruppe mit 87 000 Mitgliedern aufgerufen. Die Internetaktivisten sind in den vergangenen Jahren die entschiedensten Gegner des Regimes geworden. Die Veranstalter bezeichneten die Proteste als einen „Tag der Revolution gegen Folter, Armut, Korruption und Arbeitslosigkeit“. Sie sollten auch das Ende der Passivität einleiten.

Mohamed El Baradei, der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), unterstützte die Initiative. Innenminister Habib Adli hatte vor dem Beginn der Proteste mit der Verhaftung der Aktivisten gedroht. In einem Interview mit der Zeitung „Al Ahram“ gestand er ein, dass der Impuls zu den Kundgebungen von der Jugend komme. Als „Propaganda“ tat er die Aussage ab, der Fall des tunesischen Machthabers Ben Ali sei ein Modell.

Der Sicherheitsapparatwerde dafür sorgen, dass die Straßenproteste der Jugend ohne Wirkung blieben, sagte er. Die Proteste würden lediglich für eine kurze Zeit geduldet. Nach dem ägyptischen Gesetz müssen Kundgebungen genehmigt werden. Genehmigungen werden selten erteilt, so dass Kundgebungen meist illegal sind.

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