Ägypten – Muslimbrüder fordern Demokratie und Frieden

Ist es Taqiyya vom feinsten? Wie dem auch sei, der stellvertretende Führer der Muslimbruderschaft spricht auf jeden Fall von Demokratie und Frieden.

„Wir wollen keine Gewalt“

Raschad al-Bajumi, 76, stellvertretender Führer der Muslimbruderschaft, über die Forderungen der Islamisten

SPIEGEL: Bricht für Ägypten jetzt eine neue Zeit an?

Bajumi: Nach 30 Jahren der Unterdrückung, Korruption und Diktatur stehen wir definitiv an einem Scheideweg. Die Frage ist jetzt, wollen wir den Weg frei machen für Demokratie und Menschenrechte, oder wollen wir weiterhin die Diktatur? Die Revolution wird so lange weitergehen, bis unsere Forderungen erfüllt sind.

SPIEGEL: Und welche sind das?

Bajumi: Erstens brauchen wir einen Regimewechsel. Wir wollen eine neue Regierung. Zweitens brauchen wir Neuwahlen. Das derzeitige Parlament hat keine Legitimation, es ist nur aufgrund massiver Wahlfälschung angetreten. Drittens müssen umgehend alle politischen Häftlinge entlassen werden. Wir wollen Gerechtigkeit. Und schließlich brauchen wir eine Übergangsregierung, in der auch sämtliche Oppositionsgruppen vertreten sind

SPIEGEL: Schließt diese Übergangsregierung auch Mohamed ElBaradei ein? Akzeptieren Sie ihn als Kandidaten?

Bajumi: Unsere Forderungen sind kompatibel mit den Forderungen aller Oppositionsgruppen, inklusive der Jugend und nicht nur der politischen Parteien. Es ist aber zu früh, von neuen Führern zu sprechen. Jetzt entscheidet erst mal das Volk – lassen wir das Volk sprechen.

SPIEGEL: Die Bruderschaft gilt als größte Oppositionsbewegung Ägyptens. Warum sind Sie nicht präsent bei den Demonstrationen?

Bajumi: Das ist doch Unfug! Natürlich sind wir präsent. Aber wir halten uns als Organisation zurück. Wir treten nicht mit unseren Slogans auf. Wir wollen nicht, dass diese Revolution als Revolution der Muslimbrüder dargestellt wird, als islamische Revolution. Dies ist ein Volksaufstand aller Ägypter.

SPIEGEL: Haben Sie sich mit Vertretern der Regierung oder der Armee getroffen?

Bajumi: Nein, bislang nicht.

SPIEGEL: Im Westen gibt es die Befürchtung, dass sich die Bruderschaft auf die Macht vorbereitet, dass sie Ägypten in einen Gottesstaat verwandeln will.

Bajumi: Der Westen will uns nicht zuhören. Wir sind keine Teufel. Wir wollen Frieden, keine Gewalt. Unsere Religion ist keine teuflische Religion. Unsere Religion respektiert die Andersgläubigen, das sind unsere Prinzipien. Aber dieses Regime stellt uns bewusst falsch dar und manipuliert die öffentliche Meinung.

SPIEGEL: Wie viele Mitglieder hat Ihre Bewegung?

Bajumi: Ich weiß es nicht, wir zählen nicht. Die Regierung sagt, wir seien drei Millionen und mehr, ich weiß nur, wir sind überall, es gibt uns in jeder Stadt, jedem Dorf, in jeder Nachbarschaft. Wir sind ein unverzichtbarer Teil des Volkes.

SPIEGEL: Wie viele Ägypter würden Ihnen ihre Stimme geben, wenn es tatsächlich demnächst freie Wahlen geben sollte?

Bajumi: Warten wir ab, bis das Volk spricht. Dies ist eine Zeit des Umbruchs und des demokratischen Übergangs. Davon wollen wir jetzt sprechen, nicht von Wahlergebnissen.

SPIEGEL: Wird das Land wieder zur Ruhe finden?

Bajumi: Für das Chaos ist einzig und allein die Regierung verantwortlich. Ich schwöre Ihnen, die Muslimbruderschaft hat nicht zur Gewalt aufgerufen und wird das auch nicht tun.

(Spiegel, 06.2011, S. 84)

3 Antworten

  1. Natürlich ist das Taqiyya. Ich bin immer wieder erschüttert, dass kaum jemand in unserer Bevölkerung den Begriff Taqiyya überhaupt kennt. Da ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit nötig. Deshalb benutze ich den Begriff Taqiyya möglichst häufig, um bei Nachfragen erklären zu können, was es ist.

  2. „Ist es Taqiyya vom feinsten?“

    Ja. Aber ich denke, dass sogar einige der „gemäßigten“ Muslime den Quatsch glauben. Das ist besonders schlimm daran.

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