Berlin – Unterwegs mit der U-Bahn-Polizei

Seit Freitag greift das neue Konzept für mehr Sicherheit im Nahverkehr. Die Morgenpost ging eine Nacht mit auf Streife.

Man beachte im folgenden Artikel dass es um jugendliche Personen geht. Das Wort Migrant, oder auch jugendliche Person mit Migrationshintergrund etc.,wird natürlich nicht erwähnt.

„Seid Ihr die U-Bahn-Polizei? Eh, sag mal, wir wollen ein paar von Euch abknallen.“ Der junge Mann, der das sagt, lacht und rennt dann mit seiner Gang die lange Rolltreppe des U-Bahnhofes Osloer Straße hinab. Es ist 19 Uhr. Die beiden Polizisten des Abschnitts 36, die für die Doppelstreifen mit den Ordnungsdienstlern der BVG abgestellt wurden, reagieren gelassen. Eigentlich gar nicht. „Soll ich mich auf dieses Niveau begeben? So was hören wir ständig“, sagt der Beamte.

Er verteilt mit seinem Kollegen Informations-Flyer zum Thema Zivilcourage. BVG-Mann Paule, so sein Spitzname, versteht diese Gelassenheit nicht. „Wenn man diesen Jugendlichen keinerlei Grenzen mehr aufzeigt, wenn denen alles durchgelassen wird, dann haben die doch gar keinen Respekt mehr vor der Polizei“, sagt der engagierte Mitarbeiter (44) der Berliner Verkehrsbetriebe. „Und schon gar nicht mehr vor uns.

Ich mache meinen Job gerne, auch wenn das kaum einer versteht. Aber wir sind nun mal der letzte Dreck für die. Die bespucken uns wie Hunde.“ Seit Freitag hat die Berliner Polizei die Streifendienste auf U-Bahnhöfen verstärkt, stellt Beamte an die Seite von Paule und dessen Kollegen. Bereitschaftspolizisten fahren Schwerpunkteinsätze. Der Senat will mit 200 zusätzlichen Polizisten und 200 zusätzlichen Wachschützern der BVG nach den schweren Gewalttaten der vergangenen Monate die Sicherheit in den Zügen und auf den Bahnhöfen verbessern.

Paule hat früher jahrelang selbst UBahn- Züge gesteuert. Bis er raus wollte, raus musste, weil er im Untergrund den Bezug zur Welt da oben verlor, Uhrzeiten und Tageszeiten irgendwann nur noch schätzen konnte. Er meldete sich zum Ordnungsdienst. Weil er gern mit Menschen spricht, gerne redet und das auch kann. „Manch einer versteht es sogar, wenn wir ihn bitten, nicht im Bahnhof zu rauchen oder die Füße von der Bank zu nehmen.

Aber diese Jugendlichen, gerade am Wochenende meistens total betrunken und aggressiv, machen uns das Leben schwer. Wir sprechen die Kampfhundbesitzer an, wenn die Tiere keinen Maulkorb umhaben und neben Kindern auf dem Bahnsteig sitzen. Wir kontrollieren Fahrscheine von Jugendbanden und können auch bei Prügeleien nicht tatenlos zusehen“, erzählt Paule. „Aber wenn es gefährlich wird, müssen wir uns sofort zurückziehen und auf die Polizei hoffen.“

Polizisten bevorzugen Doppelstreifen

Doch viele Polizisten halten nicht viel von den vom Senat verordneten Doppelstreifen. Sie sind lieber in kleinen Zweiergruppen unterwegs. „Die Polizisten haben ja die Schutzwesten und das Pfefferspray, dann ist das leicht gesagt“, sagt Paule. Der Beamte, der mit ihm an diesem Abend unterwegs ist, kontert: „Würdet Ihr aufrüsten, täten das auch die Straftäter.“ Paule versteht die Welt nicht mehr: „Als wenn die Gangs dann plötzlich alle mit Schutzwesten durch die Gegend liefen.“

Wenig später haben Paule und Kollegin Regina (50) ihre vorgeschriebene Pause – von 19.30 bis 20 Uhr. „Wenn in dieser Zeit etwas passiert, sind wir nicht versichert. Sollen wir also die Augen schließen?“ Der Lärm der Jugendlichen ist unerträglich. Sie wollen Macht demonstrieren durch Gebrüll, zerberstende Bierflaschen, lautes Rülpsen und an eine junge Frau gerichtete sexistische Sprüche.

Irgendwo tritt jemand gegen einen Mülleimer, und von einer Sekunde auf die andere wird es ruhiger im Bahnhof Osloer Straße. Dann ganz still. Polizisten der 14. Hundertschaft patrouillieren durch den U-Bahnhof. In kleinen Gruppen, in Einsatzhose, schwarzen T-Shirts und schwarzen Schutzwesten. Eine Gruppe Jugendlicher hatte eben noch ein völlig betrunkenes Mädchen verfolgt.

Als sie um die Ecke kommen und die Beamten sehen, verschwinden sie leise, unauffällig. Polizei auf dem Bahnhof wirkt. Zwei Frauen, der Kleidung nach kommen sie gerade aus dem Theater, sprechen leise miteinander. „Die sehen wirklich stark aus, ein Glück, dass die hier sind.“ Ob sich die beiden sicherer fühlen, weil die Polizei da ist, will der Reporter wissen. „Auf jeden Fall. Es sind sympathische Polizisten, die sehr entschlossen und sportlich wirken“, sagt eine der beiden.

Polizei in der U-Bahn ist bei vielen Fahrgästen willkommen. U-Bahnhof Gesundbrunnen. 21 Uhr. Die Bahnen werden mehr und mehr zum Beförderungsmittel derer, die es in die Innenstadt zieht. Sie wollen in die Discos und auf die Partys. Der Frust bei den Jugendlichen ist groß. Man sieht es ihrer Körpersprache an, ihren Gesten, ihren Grimassen. Die Gründe sind nicht erkennbar.

Eine Gruppe junger Männer geht an den Polizisten vorbei. Einer von ihnen zeigt einem der Beamten den Mittelfinger, als er sich unbeobachtet fühlt. Dann macht er mit dem Zeigefinger die Bewegung, als würde er eine Kehle durchschneiden. Ein Held – unter Seinesgleichen.

Die Blumenhändler räumen langsam ihre Waren ein, und ein Angestellter in einem Döner-Imbiss schüttelt den Kopf über eine Gruppe junger Türken, die provokant neben den Polizisten langgeht. Okay, hier ist einmal von Türken die Rede.

„Das würde sich in der Türkei niemand trauen. Es ist eine Schande, dass diese jungen Kerle unser aller Ruf beschädigen. In ihrer Heimat würden sie sich so nicht gebärden.“ Drei Hooligans kommen vorbei, in altdeutscher Schrift haben sie den Hellersdorf-Schriftzug auf der Jacke, und sie brüllen: „Wir essen lieber Schnitzel, Schnitzel.“

Einer der jungen Beamten der Hundertschaft schüttelt später im UBahnzug den Kopf. In jedem Wagen stehen Kollegen von ihm, die Krawallmacher halten sich zurück. „Es ist schon ein gutes Gefühl, hier helfen zu können. Hoffentlich bekommen wir dafür Zeit, denn die ist nötig.“ Tatsächlich steht noch nicht fest, wie lange der Personalaufwand aufrechterhalten wird.

Ein älterer Herr steht auf dem Bahnsteig und wartet auf den Zug. „Wir waren ja auch einmal junge Männer. Aber der Verfall der Gesellschaft, die zunehmende Verwahrlosung ist sehr deutlich zu spüren“, sagt der Mann.

Prügeln am Alexanderplatz

Die Bundespolizei, die für die Flughäfen und die großen Bahnhöfe wie dem Ost- Bahnhof, Hauptbahnhof und den Bahnhof Zoo zuständig ist, ist dagegen regelmäßig mit großen Einheiten unterwegs. „Vor allem am Alexanderplatz treffen sich abends die Jugendlichen zum Trinken und zum Prügeln“, sagt Zivilfahnderin Claudia (26). Am Alexanderplatz gab es im vergangenen Jahr 79 Körperverletzungen.

Mit drei männlichen Kollegen ist die Polizeikommissarin in dieser Freitagnacht unterwegs, beobachtet in den Zügen auffällige Jugendliche und lässt die Eingänge besetzen, als ein offenkundig nach Streit suchender junger Mann einem wild nach der CIA schreiendem Mann nachsteigt, um ihn zu verprügeln.

Der mögliche Schläger erkennt die Situation, dann geht er weg, in Richtung der Büsche auf dem Alex, von wo lautes Geschrei zu hören ist, wo sich Jugendliche mit ihren Fahrrädern bewerfen und junge Frauen billigen Rotwein in sich hineinschütten.

Claudia sagt: „Wenn wir nicht hier wären, würde es noch schlimmer werden.“

Quelle: Berliner Morgenpost, 15.05.2011


Eine Antwort

  1. […] den Originalbeitrag weiterlesen: Berlin – Unterwegs mit der U-Bahn-Polizei « Die Offenbarung Teile und hab Spaß Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen Social […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: